Spukgeschichten

11.12.2014

Mein Blog ist bald ein halbes Jahr alt, und ich habe noch keine einzige Spukgeschichte veröffentlicht. Das wurde mir neulich von einer enttäuschten Freundin vorgehalten. Völlig zu recht, schließlich kündige ich irgendwie sowas vollmundig im Titel an. Leider muss ich zugeben, dass der Harz nicht eben viele Spukgeschichten zu bieten hat. Meine Theorie: Die ganze Region wimmelt nur so von Sagen, Mythen und Legenden rund um Hexen, Teufel, Zwergenlöcher und wilde Männer. Da müssen sich die Leute nicht wie in Wuppertal oder Heiligenhafen irgendeinen Unsinn zusätzlich ausdenken.

Um mein Versprechen trotzdem einzulösen, veröffentliche ich an dieser Stelle eine selbstgeschriebene Gruselgeschichte. Leider wurde sie bislang noch nirgendwo veröffentlicht, obwohl ich sie damals einem Comicmagazin angeboten habe. Wahrscheinlich war sie nicht grell genug. Hier also der Original-Text.

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Der schwarze Stuhl

Der schwarze Stuhl war eigentlich gar nicht wirklich schwarz, aber die Hexe Verena hatte ihn trotzdem gemacht und sie sich darauf umgebracht.
Und so lag er lange Tage herrenlos auf der Straße, bis eines Morgens meine Freundin Molly und ich daran vorbeikamen. Molly hatte Verena auch gekannt, wegen Bertel. An diesem Morgen war aber Bertel nicht dabei.

Wir waren ganz schön erschrocken, als der Stuhl auf einmal heftig anfing, mit ihnen zu reden! „Wer bist du“ schrien die beiden Mädchen erschrocken. Wir konnten es nicht glauben!!!
„Das ist doch ganz egal!!!“ schrie der vermeintliche Stuhl. „Mir werdet ihr niemals mehr entkommen!“

Sie waren vor Angst fast verloren. Wir wollten weg rennen, aber da wirkte schon die Kraft der bösen Zauberin: Molly und ich wurden auf einmal ganz, ganz klein. Das heisst, nur Molly wurde so klein, ich stand zum Glück gerade noch weit genug weg. Ich wusste, dass sie Molly jetzt umbringen würden, wahrscheinlich einfach mit dem Fuß zerquetschen!
Plötzlich kam unsere Lehrerin, Frau Voß, gerade um die Ecke. „Nanu“ wunderte sie sich. „Ich habe mich ja schon gefragt, wo ihr denn nur steckt. Ihr wolltet wohl die Schuhe schwänzen!“
„Vorsicht!“ wollte ich rufen, aber Frau Voß glaubte mir nicht, denn sie erkannte den schwarzen Stuhl nicht. Hinterhältig schleuderte er einen Feuerstrahl genau auf mich zu. Aber ich hatte wieder Glück, denn er traf nur Frau Voß, die gerade im Weg stand. Sie verwandelte sich sofort in eine fruchtbare Mumie. Aber gerettet war ich jetzt immer noch nicht.

Aber da kam mir eine Idee: Hatte ich nicht irgendwo in der Nähe ein Messer versteckt? Doch! Aber wie sollte ich es finden? Ich mußte es suchen. Gut, dass ich den Stein deutlich mit einem unauffälligen Kreuz markiert hatte. Da war es ja. Ich schnappte es mir und lief triumphal zur Hexe zurück: „NEEEEEEEEEIIIIIIIIN!!!!!!“ schrie die Alte, aber da rammte ich den glühenden Dolch auch schon mit voller Wucht in den Stuhl. „BBBBBBBBBAAAASCH!!!!!“ Es war ein großes Glück, dass man die magischen Kräfte nur mit so einem Fantasy-Dolch verrichten konnte. Und ich hatte recht: unter mir lag, in einem schwarzen Kleid, die Hexe Vera und rauchte!

Als Molly die Geschichte später Bertel erzählte, sah sie so ein merkwürdiges Glitzern in Bertels Augen. Sie konnte es nicht glauben! Ihre beste Freundin…

ENDE

Torsten

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